Im Gespräch mit – Thorge Berger

Mir ist wichtig, Menschen auf Augenhöhe zu begegnen und Ihnen mit Respekt und Wertschätzung zu begegnen. Das gilt grundsätzlich, aber insbesondere, wenn ich in meiner Rolle als Reisefotograf in fremden Ländern unterwegs bin.

Thorge Berger

Als Reisefotograf bist du schon lange in vielen Ländern der Welt unterwegs. Wohin ging deine bisher längste Reise?  

Thorge Berger: Meine längste Reise (am Stück) hat mich gleich durch eine ganze Reihe von Ländern geführt. Ende 2013 sind meine Frau Heike und ich für 6 Monate auf Reisen gegangen. Dabei ging es in den Oman, nach Indien, Bhutan, Thailand, Laos, Japan und Australien. Wir haben in den Ländern aber sehr unterschiedlich viel Zeit verbracht.

Was fasziniert dich an der Reisefotografie?

Für viele Menschen ist die Reisefotografie ein Einstieg, weil wir auf Reisen fasziniert sind und Zeit haben – oder uns Zeit nehmen, um zu fotografieren. Das war bei mir nicht anders. Und dann ist Reisefotografie ja eigentlich gar keine eigene Gattung, sondern eher ein Sammelbegriff für unterschiedliche Fotografie-Schwerpunkte, wie Landschaftsfotografie, Architekturfotografie, People und Street Photography, Wildlife etc.. Hinzu kommen noch Optionen wie Filme/Videos und/oder Time Lapse (Zeitraffer)-Aufnahmen zu erstellen etc.. Einerseits vielleicht eine Herausforderung, anderseits faszinieren mich genau diese vielen Möglichkeiten, mich auszuprobieren, auszudrücken und fotografisch weiterzuentwickeln. Und dann ist – jedenfalls für mich – Reisefotografie auch eine Einladung mit Menschen in Kontakt zu treten. Zum einen, wenn ich auf Reisen bin, aber auch später, wenn ich von meinen Reisen berichte.

Was war deine wohl bisher schönste Begegnung unterwegs?

 Puh, das ist nicht ganz einfach zu beantworten. Ich bin jetzt 57 und habe mit der Reisefotografie angefangen, also vor über 40 Jahren. In der Zeit habe ich über 50 Länder auf 5 Kontinenten bereist, da kommt einiges zusammen … Aber gerade kürzlich hatte ich eine sehr schöne Begegnung mit einem Buddhistischen Lama in einem Kloster in Ladakh. Wir hatten zunächst keinen guten Start miteinander, aber dann hat es sich doch noch zu einer sehr schönen Begegnung entwickelt. Er hat mir die eindrucksvolle Bibliothek des Klosters gezeigt, wo viele Hundert handgeschriebene Bücher verwahrt werden, die hunderte von Jahren alt sind. Dann bat er mich plötzlich, mich vor ihn zu setzen und nahm meine Hände in seine. Wir schlossen beide für einige Minuten die Augen und öffneten sie erstaunlicherweise genau im gleichen Moment. Er lächelte mich an und sagte „You are a happy man.“ Und er hatte recht. Nicht nur in diesem Moment, sondern ich bin in der Tat sehr dankbar dafür, wie sich mein Leben entwickelt hat, was ich alles erleben, sehen – und fotografieren 😉 durfte.

Gibt es bei dir für deine Reisen eine fotografische Standardausrüstung und wenn ja welche?

Ja. Ich Reise grundsätzlich mit zwei Kamera-Bodies. Die haben im Laufe der Jahre gewechselt, waren in meinem Fall aber immer Nikon-Kameras. Zurzeit nutze ich eine Z8 und eine Z6. Die Z6 werde ich sicher mittelfristig durch ein Upgrade ersetzen. In Sachen Objektive ist bei mir immer dabei, mein „Brot & Butter-Objektiv“, das 24-70mm f/2.8, dann ein 70-200mm f/2.8 und ein 14-30mm f/4. Das werde ich aber bald (wieder)ersetzen durch das 14-24mm f/2.8. Letztes habe ich schon mal in der Spiegelreflexkamera-Version besessen, kam damals aber nicht gut damit zu recht. Die Linse war sehr groß und schwer und hatte eine gewölbte Frontlinse, was den Einsatz von Filtern sehr aufwändig und teuer machte. Die Version, die Nikon inzwischen für die spiegellosen Kameras auf den Markt gebraucht hat, ist aber deutlich kleiner, leichter und hat eine atemberaubende Bildqualität! Und mittlerweile fotografiere ich viel lieber mit viel Weitwinkel, wird also vermutlich meine nächste Anschaffung. Neben den drei Zooms habe ich aber immer noch andere Objektive dabei. Das ist in der Regel davon abhängig, wo ich hinfahre und was ich vorhabe. Meist sind es Festbrennweiten, z.B. ein 35mm f/1.4 das ich als Reportagelinse liebe. Oder ein 24mm f/1.4, wenn ich den Nachthimmel fotografieren möchte, ein 85mm f/1.4, wenn der Schwerpunkt Portraits sind und ein 200-400mm f/4, wenn ich gezielt Tiere fotografieren möchte. Gerne nutze ich hin und wieder auch meine Fisheye-Objektive 8-15mm f/4 für Vollformat und 10,5mm f/2.8 für APS-C Sensoren.

Du bist auch als Vortragsredner mit Multivisionsshows zu sehen. Wo können wir dich demnächst live erleben?

Ich bin schon seit Anfang Januar wieder mit Vorträgen, Seminaren und Workshops auf Tour. Nachfolgend einige ausgewählte Termine, alle Termine sind auf der Website von mir zu finden:

09.03.24 – Villingen-Schwenningen – Reisefotografie-Seminar – Präsenz-Seminar

10.03.24 – Ettlingen – Reisefotografie-Seminar – Präsenz-Seminar

17.03.24 – CH-Zürich – Perfekte Reisefotos – Präsenz-Seminar

19.04.24 – Fürstenfeld – Perfekte Reisefotos – Präsenz-Seminar

30.04.24 – Neuss – IRAN – Zwei Freunde. Zwei Kulturen. Eine Reise. – Live-Reportage

10.05.24 – Köln – Reisefotografie-Workshop – Präsenz-Workshop

07.06.24 – Duisburg – Reisefotografie-Workshop – Präsenz-Workshop im Rahmen der Photo + Adventure

In diesem Kontext bist du seit 2022 im Vorstand der GBV (A.d.R. – Gesellschaft für Bild und Vortrag e.V.). Dazu zwei Fragen. Was macht der GBV und was sind deine Aufgaben dabei?

Die GBV ist die Gesellschaft für Bild und Vortrag e.V., und versteht sich als Berufsverband der Vortragsreferent:innen von Multivisionsvorträgen im Deutschsprachigen Raum. Ihr Ziel ist es, das Medium Multivision und die Zusammenarbeit zwischen Vortragenden und Veranstaltern zu fördern. So steht es auf unserer Webseite, und ich denke, das bringt es gut auf den Punkt. Aber, wichtig ist aus meiner Sicht noch zu spezifizieren, dass es nicht nur um die Zusammenarbeit zwischen Vortragenden und Veranstaltern geht, sondern auch um die Vernetzung und den Austausch zwischen Vortragenden. Die meisten von uns sind gewissermaßen Einzelkämpfer:innen, und gerade am Anfang fühlt sich der Einstieg in diese Branche recht schwer an. Es gibt ja keine Ausbildung und nur wenig Orientierung. Daher ist auch einer der wichtigsten Events die, alle zwei Jahre stattfindende Vortragsbörse der GBV in Braunfels. Dort treffen sich nicht nur nahezu alle Referent:innen, die Rang und Namen haben, sonder es ist auch ein sehr guter Termin für Einsteiger:innen und Interessierte. An den zweieinhalb Tagen stellen viele Neulinge und Profis je 10 Minuten aus ihrem aktuellen Programm vor, können konstruktives Feedback bekommen und von Veranstalter:innen für ihr Programm entdeckt werden. Darüber hinaus wird es viel Austausch und ein tolles Seminar- und Workshop-Programm geben! Und – wir haben übrigens ein sehr gutes Timing darüber zu sprechen, denn die nächste Vortragsbörse findet tatsächlich in diesem Jahr vom 26.-28. April statt!
Wer Interesse hat, dabei zu sein – und vielleicht sogar selbst einen Ausschnitt aus seinem/ihrem Vortrag zu zeigen, sollte sich zeitnah anmelden.
Links zur GBV:
https://gbv-vortraege.de/gbv/
https://gbv-vortraege.de/vortragsboerse/

Was wird dein nächstes Reiseziel sein?
Dieses Jahr mache ich wieder drei Touren in Indien. Von Ende März bis Mitte April reise ich in Zentralindien durch drei Nationalparks und wir werden Tiger (und viele andere Tiere) in freier Wildbahn fotografieren. Im Juni und Juli leite ich zwei Fotoreisen durch die Regionen Kaschmir, Zanskar und Ladakh. Und im Januar/Februar 2025 steht wieder ein unglaublicher Event an, die Kumbh Mela, das größte religiöse Fest der Welt. Dann kommen wieder buchstäblich Millionen von Menschen und tausende von Sadhus, den heiligen Männern Indiens zu den Ufern der heiligen Flüsse in Prayagraj. Ich selbst werde mindestens einen Monat dabei sein. Und im Anschluss geht es erneut in den Himalaya, wo wir uns auf die Suche nach Schneeleoparden begeben. Es stehen also eine ganze Reihe spannender Reisen an.

Fotografien: Thorge Berger