Heimatlichter: Die MUNDOLOGIA in Freiburg ist das größte Reportage-Festival Mitteleuropas. Was ist euch dabei besonders wichtig?
Tobias Hauser: So wie der Name heißt: Mundologia – einfach ein bisschen Weltkenntnis mitbringen und den Leuten mit nach Hause geben. Deshalb versuchen wir, wirklich hochkarätige Reportagen zu finden. Wobei es jetzt nicht nur darum geht, ein Land im touristischen Hinblick vorzustellen, sondern dass man etwas Neues und Spannendes über die Kultur, über die Religion, über die Natur und einfach die Schönheit der Welt erfährt. Und um die Menschen zu sensibilisieren, dass es Sinn macht, diese Schönheit für die kommenden Generationen zu erhalten. Ich denke, dass das Reisen den Menschen natürlich auch einen gewissen Weitblick gibt, und dass sie ihr Verhalten auch dementsprechend anpassen, wie es in der Zukunft notwendig sein wird.
Wie seid ihr auf die Idee zur MUNDOLOGIA gekommen?
Es ist nicht so, dass es so etwas nicht schon in Deutschland gab. Bei den bisherigen Formaten bin ich selbst als Referent aufgetreten und fand das sehr faszinierend – diese Kombination, Vorträge anzuschauen und noch eine Messe dabei zu haben. Wir legen darauf Wert, nicht nur zu informieren, sondern dass sowohl die Aussteller als auch die Referenten einfach diese Live-Atmosphäre erleben.
Der Markt in Freiburg hatte sich leider negativ entwickelt. Damals hatte die Badische Zeitung ein ähnliches Format durchgeführt, aber hat dann aufgehört. Da die Branche eine immer weiter sinkende Qualität angeboten hatte, wollte ich einfach etwas Neues aufbauen. Die Leute wissen, wenn es unter MUNDOLOGIA läuft, dann kann man davon ausgehen, dass es gewisse Qualitätsstandards gibt. Früher konnte man einfach nur ein Plakat sehen und wusste nicht, wer den Vortrag hält und welche Qualität dieser hat. Wir wollten als Veranstalter eine gewisse Verantwortung übernehmen und eine qualitative Plattform aufbauen, um das Format Live-Reportage nicht ganz aus der Kulturlandschaft verschwinden zu lassen.
Corona war für viele Veranstaltungen und Kulturschaffende ein einschneidendes Erlebnis. Auch die Fotograf:innen waren davon extrem betroffen. Wie seid ihr damit umgegangen?
Wir haben ein Jahr pausiert und versucht, unsere Kosten zu minimieren – so gut es geht. Dabei haben wir leider auch unser Büro aufgegeben und Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Dazu haben wir uns von Anfang an klar entschieden, nichts Digitales zu machen, weil wir den Transfer von Live-Vortrag in die digitale Welt nicht machen wollten. Wenn es ein eigenes Format hat, dann ja – aber den Live-Vortrag in digital umzuwandeln, funktioniert in meinen Augen nicht.
Eine Zeitlang wurden wir von Spendern unterstützt. Aber das hat leider keine Zukunft, da die Kosten zu hoch sind und die Konkurrenz auch viel zu groß ist. Vor dem Bildschirm kommt auch die Atmosphäre nicht auf. Und da die Konkurrenz [online, Anm. d. R.] einfach viel, viel besser ist – man muss sich nur die ganzen Formate anschauen, wie Fernsehen, Netflix, Youtube oder Instagram – wo die Leute nach 10 Minuten wieder wegklicken. Ich habe auch von Leuten gehört, die Referenten digital angeschaut haben, dass sie diese Beiträge nicht gut fanden. Und das ist das Schlimmste, was dir passieren kann, denn dann werden sie diesen Referenten sicher nicht mehr live anschauen. Seine Arbeit live zu zeigen, ist einfach besser, hier können die Leute auch gemeinsam lachen. Da kommt einfach bessere Stimmung auf und natürlich sehen die Vorträge auch besser aus, weil sie auf großer Leinwand gezeigt werden. Und das kann mit Computer und Fernsehen nicht gleichgesetzt werden. Deswegen haben wir uns entschieden, online nicht mitzumachen.
Wir glauben, dass es die richtige Entscheidung war, weil wir die Freizeit genossen haben. Wir konnten letztes Jahr wieder durchstarten, auch wenn wir Beschränkungen hinnehmen mussten. Aber wir haben 27.000 Vorteilsbesucher erreicht – und das ist nicht schlecht für die schwierige Situation, die wir hatten. Und wir konnten auch noch damit Geld verdienen.
Also kann man sagen, dass die Leute froh waren, dass wir wieder live vor Ort waren. Die Zuschauer waren natürlich noch vorsichtig gewesen und kamen nicht in Massen wie sonst. Trotzdem hatten wir eine zufriedenstellende Saison. Nun geht es in die nächste Saison. Wir wissen aber auch, dass da noch viel kommen kann. Die Probleme sind nicht weniger geworden und es ist schon schwierig, sich zu motivieren, immer weiterzumachen.
Natürlich sind die goldenen Jahre vorbei, das muss man ganz klar sagen. Auch was das Sponsoring anbelangt, wird es sehr schwierig. Wir haben zum Glück über die letzten Jahre gutes Stammpublikum aufgebaut, von dem wir auch profitieren.